Solingen/Leipzig, 9. Februar 2010

Strompreisstudie: Wettbewerbsintensität führt bei vielen Stromanbietern nicht zu nachhaltigen Vertriebsmargen – Gestiegene EEG-Umlage wird bisher nicht vollständig an den Markt weitergegeben


Die vollständige Studie finden Sie hier.

Solingen/ Leipzig, 9. Februar 2010 - Die Erträge der deutschen Stromgrundversorger sind seit der letzten Studie im Oktober 2009 zurückgegangen und weiterhin bei vielen nicht kostendeckend. Ursache für diese Entwicklung sind gestiegene Kosten zum 1. Januar 2010 sowie die starke Wettbewerbsintensität, welche die komplette Weitergabe der Kostensteigerungen durch Preisanpassungen anscheinend verhindert hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Utility Partners in Zusammenarbeit mit der auf Energiemarktanalysen spezialisierten GET AG.

Erstmals sind darin mehrere Abnahmefälle mit dem Verbrauch von 1.200, 2.400 und 3.500 kWh p.a. analysiert worden. Dies sind die am häufigsten vorkommenden Verbrauchsstufen. Sie repräsentieren mehr als 70 % aller Lieferstellen eines Grundversorgers. Zu Monopolzeiten haben mittlere und große Verbraucher die Kleinen politisch gewollt subventioniert (Stichwort: „lineare Tarife“). Im Wettbewerb führen solche Kalkulationen zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen bei den mittleren und großen Kunden. Diese Tatsache kann man in den Analysen noch erkennen. Da sehr kleine Kunden fast identischen Vertriebsaufwand verursachen, werfen diese bei vielen Grundversorgern immer noch niedrigere Erträge ab als mittlere Abnehmer. Die Bereinigung dieser nicht mehr wettbwerbskonformen Situation erfordert bei kleinen Kunden sehr hohe prozentuale Preiserhöhungen, die häufig als nicht vermittelbar angesehen werden.

Die Kosten vieler Grundversorger werden voraussichtlich auf absehbare Zeit nicht deutlich sinken. Entlastungen in der Beschaffung stehen wahrscheinlich weiterhin steigenden EEG-Kosten gegenüber. Selbst die maximal denkbare Kostenreduzierung (konstante EEG-Kosten) wird nicht ausreichen, um die Vertriebsvollkosten zu decken, so Utility Partners. Die Verpflichtung aller Grundversorger spätestens in 2010 derzeit noch integrierte Datenverarbeitungssysteme für Vertrieb und Netz zu trennen, wird einerseits zu weiteren Kostensteigerungen andererseits aber auch zu mehr Kostentransparenz führen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Stromlieferanten versuchen, die absehbar bestehenden Kostenunterdeckungen in der Grundversorgung mittelfristig über Preiserhöhungen zu kompensieren, ergänzt Utility Partners.

Neue Energieanbieter hätten laut dem Beratungsunternehmen durch kurzfristige Beschaffungsstrukturen jedoch Wettbewerbsvorteile und gleichzeitig ambitionierte Akquiseziele – und damit günstigere Stromtarife für ihre Kunden. Die derzeitigen Preisvorteile im ersten Lieferjahr führen aber zu negativen Margen und damit zu der Frage, wann die gewechselten Kunden entweder deutliche Preiserhöhungen zu verkraften haben oder wann diese neuen Lieferanten mangels wirtschaftlichem Erfolg aufgeben müssen.

„Die Erlöslage der Energievertriebsunternehmen lässt sich aufgrund der hohen Markttransparenz im Branchenschnitt sowohl für das Bestandsgeschäft als auch für die Akquise sehr gut abschätzen“, so König, Energieexperte bei Utility Partners. „Sie ist weiterhin sehr eng. Deshalb bleibt ein hoher Druck, die Kostenunterdeckung über Preisanpassungen am Markt unterzubringen. Zusätzlich gibt es ein deutlich größeres Bewusstsein für die Ertragsrisiken bei Energielieferungen. Die teilweise deutlichen Absatzeinbrüche durch Kundenverluste und die Wirtschaftskrise haben die ökonomischen Risiken frühzeitiger Beschaffung transparent gemacht.“ Mit den Stadtwerken Flensburg habe z.B. ein in der Akquise sehr aktives Energieversorgungsunternehmen durch frühzeitige Beschaffung massive Ergebnisprobleme infolge von Marktverwerfungen. „Nur Lieferanten mit angeschlossenem Netzgeschäft oder anderen Kapitalquellen können die derzeitige Margensituation in der Akquise kompensieren. Anscheinend rechnen viele Marktteilnehmer mit deutlich steigenden Vertriebsmargen“, so König.

Zur Studie: Auf Basis der Verbrauchsfälle von 1.200, 2.400 und 3.500 Kilowattstunden (kWh p.a.) wurde der Preisbestandteil zur Deckung der Beschaffungs- und Vertriebskosten ermittelt. Untersucht wurden 55 deutsche Stromlieferanten, die insgesamt weit mehr als 50 Prozent der deutschen Haushaltskunden beliefern. Hierzu wurden vom Nettostrompreis die Netzentgelte sowie alle Steuern und Abgaben abgezogen. Zum Stichtag 1. Januar 2010 standen den 55 Versorgungsunternehmen für den Verbrauchsfall 3.500 kWh p.a. durchschnittlich 8,6 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für Strombeschaffung, Vertriebskosten und Gewinn zur Verfügung. Nach Abzug der Kosten für die Strombeschaffung ergeben sich für einen Kunden mit 3.500kWh p.a. 70 Euro pro Jahr und Kunde, die den Versorgungsunternehmen für Vertrieb und Gewinn bleiben, wobei die geschätzten Vertriebsvollkosten schon allein bei mind. 86 bis 111 Euro pro Jahr und Kunde liegen.

Für weitere Informationen zur aktuellen Strompreisstudie stehen Ihnen die Utility Partners Managementberatung GmbH und die GET AG vom 9.-11. Februar auf der E-world energy & water in Essen in Halle 3 am Stand 458 zur Verfügung. Hier präsentieren beide Unternehmen auch VIS Management - eine neuartige Entscheidungsgrundlage für das Top-Management und die Vertriebssteuerung: Die in der Studie enthaltenen Auswertungen sind Bestandteil des Produktes VIS Management. Dieses umfasst auch Daten zu allen Grundversorgern (Strom und Gas) sowie vorkonfigurierte Charts für ausgewählte Unternehmen.

Zu Utility Partners: UTILITY PARTNERS ist eine Gruppe von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen für die Energiewirtschaft. Das Leistungsangebot umfasst die Gestaltung von Strategien, Strukturen und Geschäftsprozessen sowie deren Umsetzung in den Energieversorgungsunternehmen. Zu den Kunden zählen sowohl die führenden Häuser der Branche als auch viele kleine und mittlere Energieversorgungsunternehmen. Die Kombination aus konzeptioneller Beratung und Umsetzungsunterstützung für die Linie ist Kern der Gruppenphilosophie und hat sich seit Jahren bewährt. Die Utility-Partners Managementberatung ist ein auf strategische Marktanalysen sowie die Erarbeitung von Gesamt- oder Funktionalstrategien spezialisiertes Beratungsunternehmen.

Zur GET AG: Die GET AG ist ein führender Informationsdienstleister der deutschen Versorgungsbranche. Bereits seit Jahren recherchiert das Leipziger Unternehmen bundesweit u.a. die Endkundentarife Strom und Erdgas sowie die Entgelte der Strom- und Gasnetzbetreiber. Aufbauend auf diese historisch gewachsene, umfangreiche Datenbasis hat die GET AG passgenaue Softwarelösungen für fundierte Wettbewerbsanalysen in der Energiebranche entwickelt. Gleichzeitig unterstützt die GET AG mit ihren speziell auf die Bedürfnisse der Energiebranche abgestimmten Services maßgeblich das Tagesgeschäft vieler Akteure im Strom- und Gasmarkt. Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben kleineren Stadtwerken auch Branchenverbände und Konzerne sowie Betreiber von Internetportalen.

Kontakt: E-world energy & water in Essen in Halle 3 am Stand 458

Sven König
Utility Partners Managementberatung GmbH
Haus Grünewald 1a
42653 Solingen
Tel.: 0212/ 22 37 18-0
E-Mail: Sven.Koenig@utility-partners.de
Internet: www.utility-partners.de

Matthias von Maltzahn
GET AG
Augustusplatz 9
04109 Leipzig
Tel.: 0341/ 98 98 08-12
E-Mail: Matthias.Maltzahn@get-ag.com
Internet: www.get-ag.com