
Leipzig, den 23. Oktober 2009
Strompreisstudie: Neue Energieversorger haben Wettbewerbsvorteil
- Erhebliche Steigerung der Vorkosten (v.a. EEG) zum Januar 2010 bei vielen Unternehmen
- Preiserhöhungen/ -senkungen hängen von Beschaffungspolitik ab
- Kostenvorteile durch späte Strombeschaffung v.a. bei neuen Anbietern schaffen Marktdynamik
Die vollständige Studie finden Sie hier.
Solingen/ Leipzig, 22. Oktober 2009. Im Durchschnitt arbeiten die deutschen Stromversorger in der Grundversorgung (Haushaltskunden) derzeit gerade kostendeckend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Utility Partners in Zusammenarbeit mit der auf Energiemarktanalysen spezialisierten GET AG. Die Kosten vieler Versorger werden voraussichtlich ab Januar 2010 weiter steigen. Es sei daher davon auszugehen, dass die Stromlieferanten versuchen, diese Kostensteigerungen über Preiserhöhungen zu kompensieren, so Utility Partners. Neue Energieversorger hätten durch kurzfristige Beschaffungsstrukturen jedoch Wettbewerbsvorteile – und damit günstigere Stromtarife für ihre Kunden.
„Ob und in welchem Maß ab Januar tatsächlich Strompreissteigerungen oder ggf. Senkungen durchgeführt werden, hängt extrem von der Stromeinkaufsstrategie der Unternehmen ab“, so Sven König, Energieexperte bei Utility Partners. Lange Zeit hatten besonders die Versorger Kostenvorteile, die langfristig und frühzeitig beschafft haben. Dies galt laut Utility Partners bis 2008 uneingeschränkt. Seit dem turbulenten Sommer 2008 hat sich das jedoch grundlegend geändert. „Die Studie macht deutlich: Bei der Beschaffung für 2009 hatten Unternehmen, die kurzfristig Strom eingekauft haben um 1 Cent pro Kilowattstunde (ct/ kWh) höhere Beschaffungskosten als Unternehmen mit einem längerfristigen Stromeinkauf. Für 2010 hat sich dieser Einfluss umgekehrt“, führt König die Studienergebnisse aus. Energieversorger, die kurzfristig Strom an der Börse kaufen, haben um 0,8 ct/ kWh günstigere Beschaffungskosten als Unternehmen, die schon vor einiger Zeit ihre Strommenge geordert haben. „Die Vertriebsmarge sinkt durch diese Entwicklungen bei großen Kunden auf durchschnittlich 41 Euro im Jahr und wird im Gegensatz zur aktuellen Lage ungefähr halbiert“, verdeutlicht König die Situation der Energieversorger.
„Die Erlöslage der Energieversorgungsunternehmen lässt sich aufgrund der hohen Markttransparenz im Branchenschnitt sehr gut abschätzen“, so König. „Sie ist heute schon eng. Deshalb gibt es einen hohen Druck, mögliche Kostensteigerungen für 2010 ab Januar über Preisanpassungen am Markt unterzubringen.“ Dies gelte dann vor allem für eben jene Unternehmen, die frühzeitig ihre kalkulierte Menge an Strom bei der EEX eingekauft haben. Für neue Anbieter, die ihren Strom fast ausschließlich kurzfristig besorgten, sei die aktuelle Entwicklung ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Sie könnten durch niedrigere Beschaffungskosten ihren Kunden auch günstigere Stromtarife anbieten.
Die Kostensteigerungen werden sicher bei der Umlage für die Förderung der Erneuerbaren Energien eintreten. Möglicherweise könnten weitere Kostensteigerungen hinzukommen. Die EEG-Umlage, die für 2010 erstmals bundeseinheitlich durch die Übertragungsnetzbetreiber veröffentlich wurde, steigt um ca. 70 bis 85 Prozent auf rund 2,05 ct/ kWh. Zusätzlich erwartet eine Studie des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) und des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter (bne) eine Kostensteigerung der Netzentgelte um durchschnittlich 0,47 ct/ kWh. Sie werden v.a. durch Mengenrückgänge, Lohnkostensteigerungen und den Netzausbau für EEG verursacht.
Zur Studie: Auf Basis eines Jahresverbrauchs von 4.000 Kilowattstunden (kWh) wurde der Preisbestandteil zur Deckung der Beschaffungs- und Vertriebskosten ermittelt. Untersucht wurden 55 deutsche Stromlieferanten, die insgesamt weit mehr als 50 Prozent der deutschen Haushaltskunden beliefern. Die Ergebnisse decken sich mit den Resultaten des Monitoringberichts zum Strom- und Gasmarkt der Bundesnetzagentur vom 13. Oktober 2009. Hierzu wurden vom Nettostrompreis die Netzentgelte sowie alle Steuern und Abgaben abgezogen. Zum Stichtag 1. Oktober 2009 standen den 55 Versorgungsunternehmen durchschnittlich 8,85 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für Strombeschaffung, Vertriebskosten und Gewinn zur Verfügung. Nach Abzug der Kosten für die Strombeschaffung ergeben sich für solche großen Kunden 78 Euro pro Jahr und Kunde, die den Versorgungsunternehmen für Vertrieb und Gewinn bleiben, wobei die geschätzten Vertriebskosten schon allein bei 60 bis 85 Euro pro Kunde liegen.
Zu Utility Partners: UTILITY PARTNERS ist eine Gruppe von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen für die Energiewirtschaft. Das Leistungsangebot umfasst die Gestaltung von Strategien, Strukturen und Geschäftsprozessen sowie deren Umsetzung in den Energieversorgungsunternehmen. Zu den Kunden zählen sowohl die führenden Häuser der Branche als auch viele kleine und mittlere Energieversorgungsunternehmen. Die Kombination aus konzeptioneller Beratung und Umsetzungsunterstützung für die Linie ist Kern der Gruppenphilosophie und hat sich seit Jahren bewährt. Die Utility-Partners Managementberatung ist ein auf strategische Marktanalysen sowie die Erarbeitung von Gesamt- oder Funktionalstrategien spezialisiertes Beratungsunternehmen.
Zur GET AG: Die GET AG ist ein führender Informationsdienstleister der deutschen Versorgungsbranche. Bereits seit Jahren recherchiert das Leipziger Unternehmen bundesweit u.a. die Endkundentarife Strom und Erdgas sowie die Entgelte der Strom- und Gasnetzbetreiber. Aufbauend auf diese historisch gewachsene, umfangreiche Datenbasis hat die GET AG innovative Softwarelösungen für fundierte Wettbewerbsanalysen in der Energiebranche entwickelt. Gleichzeitig unterstützt die GET AG mit ihren speziell auf die Bedürfnisse der Energiebranche abgestimmten Services maßgeblich das Tagesgeschäft vieler Akteure im Strom- und Gasmarkt. Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben kleineren Stadtwerken ebenso Branchenverbände, wie Konzerne und Betreiber von Internetportalen.
Sven König
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